Obertagedeponie Brüchau

Schließungsprojekt

Nachhaltiges und sicheres Vorgehen

Die Obertagedeponie Brüchau ist eine Anlage, auf der seit Beginn der 1970er Jahre Überreste der Erdgasproduktion aus dem Altmark-Feld in Sachsen-Anhalt eingelagert wurden. Darüber hinaus wiesen die Behörden den damaligen volkseigenen DDR-Betrieb von 1977 bis 1990 an, auch bergbaufremde Abfälle aufzunehmen. Seit 2012 wird die Deponie nicht mehr genutzt und soll daher nachhaltig und sicher geschlossen werden. Neben einer vollständigen Räumung gibt es auch die Möglichkeit, die Anlage mit einer doppelten Abdichtung endgültig zu verschließen. Um die sicherste und nachhaltigste Variante zu ermitteln, untersucht Neptune Energy zurzeit den Deponiekörper genau. Eine Entscheidung über das anzuwendende Konzept und die umzusetzenden Maßnahmen zur Schließung der Obertagedeponie Brüchau kann Neptune Energy nur in Übereinkunft mit dem Land Sachsen-Anhalt treffen. Die Deponie befindet sich rund einen halben Kilometer südlich von Brüchau. Brüchau ist ein Ortsteil der Ortschaft Kakerbeck und der Stadt Kalbe (Milde) im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Von der Anlage gehen keine gesundheitlichen Gefährdungen aus. Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung in Sachsen-Anhalt zeigten die Ergebnisse des langjährigen Umweltmonitorings in der Luft und am Boden, dass bislang keine nachweisbaren Gefahren für Mensch und Umwelt vorlägen.

Landtag Sachsen-Anhalt, Stenografischer Bericht, 26. Sitzung, Donnerstag, 4. Mai 2017, Seite 105

Das bestätigen neben laufenden Kontrollmessungen auch Untersuchungen, die mehrere unabhängige Gutachter seit den neunziger Jahren durchgeführt haben. Darüber hinaus hat das Sozialministerium von Sachsen-Anhalt unter Einbeziehung des Landesamtes für Verbraucherschutz und des zuständigen Gesundheitsamtes die Trinkwasserversorgung und die Qualität geprüft. Das Ergebnis zeige, dass die Ortschaft Brüchau an eine zentrale öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen sei. Dieses Trinkwasser erfülle die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Es gäbe keine Hausbrunnen, die für die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde genutzt werden und regelmäßig zu überwachen wären. Daher sei eine Schadstoffexposition über den Trinkwasserpfad ausgeschlossen, so das Sozialministerium.

Das Kontrollsystem von Neptune Energy umfasst insgesamt 15 Messstellen im oberen und unteren Grundwasserleiter, darüber hinaus wird der vorhandene Betriebsbrunnen kontinuierlich in die Untersuchungen einbezogen. Vierteljährlich erfolgt die Einmessung der Grundwasserstände und es werden Grundwasserproben genommen und analysiert. Darüber hinaus wird das Grundwasser von sieben Messstellen einer jährlichen radiologischen Analyse unterzogen. Die Messergebnisse zeigen keine Gefährdung von Schutzgütern durch die Deponie. Auswirkungen auf die Gesundheit sind damit nicht zu erwarten. Dies bestätigt auch eine statistische Analyse des Gemeinsamen Krebsregisters (GKR) in Berlin, die das Krebsgeschehen in den Ortschaften Brüchau, Kakerbeck, Jemmeritz (Stadt Kalbe/Milde) und Neuendorf (Stadt Klötze) auswertete. Bei der Analyse mit Bezug zu den Referenzregionen Sachsen-Anhalt bzw. Altmarkkreis Salzwedel „gibt weder die Anzahl der registrierten Fälle noch das Lokalisationsspektrum Hinweise auf eine erhöhte Krebserkrankungsrate der Bevölkerung“, heißt es im Ergebnisbericht, den das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration erstellte.

Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration – Pressemitteilung Nr.: 033/2018

Historie

1971 genehmigt der damals zuständige Rat der Stadt Kalbe unter Zustimmung der Bezirkshygieneinspektion sowie des Rates für Umwelt- und Wasserschutz die Anlage für die Beseitigung von Abfällen aus der Erdgasindustrie. Die Einlagerung dieser Rückstände beginnt 1972. Darüber hinaus wiesen die Behörden den damaligen volkseigenen DDR-Betrieb von 1977 bis 1990 an, auch bergbaufremde Abfälle aufzunehmen. Vor 1974 finden sich keine Aufzeichnungen in den Archiven der beteiligten Stellen. (Alle Dokumente zur bekannten Einlagerungshistorie sind weiter unten im Abschnitt Dokumente hinterlegt.) 2012 beendete ein Vorgängerunternehmen von Neptune Energy die Einlagerung. Im Anschluss erarbeitete das Unternehmen in Zusammenarbeit mit einem externen Gutachterbüro und in Abstimmung mit dem Land Sachsen-Anhalt eine Vorzugsvariante zur Schließung der Entsorgungseinrichtung mit dem Ziel der Beendigung der Bergaufsicht. Es wurden zehn mögliche Varianten von Schließungsmaßnahmen – acht verschiedene Oberflächenabdichtungen, zwei Dekontaminationsmaßnahmen – gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Eignung verglichen. Die Kombinationsabdichtung aus mineralischer Abdichtung und Kunststoffdichtungsbahnen wurde als Vorzugsvariante herausgestellt. Die Gutachter arbeiteten aber auch Kenntnisdefizite heraus, wie zum Beispiel die genauen morphologischen, bodenmechanischen und hydraulischen Eigenschaften des Abfallkörpers. Da eine Einigung der beteiligten Partner – Unternehmen, zuständiger Bergbehörde und der Landesanstalt für Altlastenfreistellung – nicht erzielt werden konnte, legte das Unternehmen im Jahr 2017 bei der Bergbehörde einen neuen Sonderbetriebsplan zur weiteren Erkundung vor. Nach der Zulassung stellten Unternehmensvertreter das Untersuchungsprogramm im Dezember 2017 dem Wirtschaftsausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt vor.

Weitere Schritte

Nach Auswahl geeigneter Dienstleister begannen die Erkundungsarbeiten an der Deponie im Juli 2018. Ziel dieser neuerlichen Untersuchungen ist es, eine umfassende Datengrundlage zu schaffen, die noch besser geeignet ist, verschiedene Varianten zur Schließung der Deponie abschließend zu bewerten. Die Arbeiten werden in enger Abstimmung mit der Landesanstalt für Altlastenfreistellung, die dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt unterstellt ist, sowie der zuständigen Bergbehörde, die zum Wirtschaftsministerium gehört, durchgeführt. Die aktuellen Arbeiten sollen Anfang 2020 abgeschlossen sein. 2020 plant das Unternehmen dann erneut, auf Grundlage der dann neu gewonnenen Erkenntnisse verschiedene Schließungsvarianten zu bewerten. Der bisherige Kenntnisstand bezüglich des eingelagerten Abfalls, geotechnischer Parameter, der chemischen Zusammensetzung des Deponiekörpers und der Grundwasserbeschaffenheit soll durch die neuerlichen Untersuchungen ergänzt werden. Im Arbeitsprogramm sind neben weiteren geologischen und geophysikalischen Untersuchungen auch die Errichtung neuer Grundwassermessstellen vorgesehen.

Meilensteine

Das umfassende Untersuchungsprogramm beinhaltet diverse Einzelmaßnahmen und Genehmigungsschritte. Einen Überblick gibt die folgende Tabelle, die drei großen Arbeitspakete – Geophysikalische Arbeiten, Erkundung Deponiekörper und Geologische Erkundung mit Messnetzerweiterung – sind zur besseren Lesbarkeit farbig markiert. Nicht aufgeführt ist der Imissionspumpversuch. Diese Maßnahme könnte sich an das letzte Arbeitspaket anschließen, falls alle Parteien der Meinung sind, dass weitere Untersuchungen nötig sind. Es handelt sich dabei um eine aufwändige Messung des Grundwassers. Dabei wird ein Brunnen gebohrt und das sich darin befindliche Wasser mehrfach beprobt. Bei den Arbeiten könnte jedoch die Dichtigkeit der Deponie beeinträchtigt werden, weswegen diese Maßnahme noch nicht zwingend in das Arbeitsprogramm aufgenommen wurde.

Verantwortung

Neptune Energy unterstützt ausdrücklich die endgültige, nachhaltige und sichere Schließung der Obertagedeponie Brüchau. Im Zusammenhang mit der 1994 erfolgten Privatisierung der damaligen Erdöl Erdgas GmbH wurden Regelungen zum Rückbau bestehender Betriebsanlagen und -einrichtungen getroffen. An diese vertraglichen Vereinbarungen ist Neptune Energy Deutschland als Rechtsnachfolgerin gebunden.

Demnach kann eine Entscheidung über das anzuwendende Konzept und die umzusetzenden Maßnahmen zur Schließung der Obertagedeponie Brüchau nur in Übereinkunft mit dem Land Sachsen-Anhalt getroffen werden.

Neptune Energy hat langjährige Erfahrung mit dem Rückbau nicht mehr genutzter Betriebseinrichtungen in den ostdeutschen Bundesländern. Seit der Privatisierung der staatlichen DDR-Fördergesellschaft vor 24 Jahren hat das Unternehmen dort Bohrplätze und Schlammgruben in einem Umfang von über 300 Millionen Euro zurückgebaut. Dank dieser Aktivitäten konnte seit 1994 für mehr als 400 Objekte die Bergaufsicht förmlich beendet werden.

Kontakt
Hanna Jansky
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
Neptune Energy in Deutschland
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