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Interview mit Sam Laidlaw
Neptune kann einen Unterschied machen

Nur wenige Manager verfügen über so viel Erfahrung auf den globalen Energie und Rohstoffmärkten wie Sam Laidlaw, Executive Chairman von Neptune Energy. In diesem Interview spricht er über die Transformation des Unternehmens in einem komplexen Umfeld.

Porträt von Sam Laidlaw

Wie beurteilen Sie das deutsche und europäische Marktumfeld für Öl- und Gasunternehmen, die daran arbeiten, nachhaltiger zu werden?

Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und die drittgrößte Exportnation der Welt. Wie viele andere europäische Länder befindet sich auch Deutschland in einem sogenannten Trilemma: Erstens gewinnt die Energiesicherheit zunehmend an Bedeutung, insbesondere seit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten, zweitens gilt es, die Klimaschutzziele zu erreichen und drittens all dies auf eine bezahlbare Weise zu bewältigen. Vor allem angesichts des aktuellen wirtschaftlichen Abschwungs.

Obwohl wir in den vergangenen zehn Jahren einen erfreulichen Ausbau der erneuerbaren Energien erlebt haben, ist Deutschland nach wie vor auf Gas und Öl angewiesen – um die Häuser warm, die Menschen mobil sowie die Lichter am Leuchten zu halten. Rund 95 Prozent des benötigten Erdöls und Erdgases werden importiert.

Bei den kritischen Rohstoffen für die Energiewende sind rasante Marktentwicklungen zu beobachten. Im globalen Wettlauf um Lithium, Kobalt oder Seltenerdmetalle, darunter auch solche, die in der E-Mobilität zum Einsatz kommen, versuchen Europa und Deutschland derzeit aufzuholen.

Welche Rolle kann Neptune in dieser Situation spielen?

Ich glaube nicht nur, sondern bin mir sicher, dass Neptune Energy bei diesen Herausforderungen helfen kann. Wir wollen nicht nur Teil des Wandels sein. Es ist unsere Mission, ihn proaktiv mitzugestalten. Um dies zu erreichen, wollen wir ein führender deutscher Energieproduzent sein, indem wir den lokalen Bedarf an Rohstoffen mit einem geringen CO₂-Fußabdruck decken und mit innovativen Projekten zur Energiewende beitragen.

Das Geschäft von Neptune Energy außerhalb Deutschlands wurde bereits im Jahr 2024 veräußert. Verfügt Neptune in Deutschland über das notwendige Know-how für den Wandel?

Auf jeden Fall. Das deutsche Onshore-Geschäft mit seiner langen Tradition hat sich schon immer vom internationalen Portfolio unterschieden. Gerade in den letzten Monaten und Jahren konnten wir zeigen, dass unser deutsches Team für die Zukunft gerüstet ist. Wir verfügen über ein gaslastiges Portfolio und fundierte Branchenexpertise. Das bietet starke Chancen zu wachsen. Unser heimisches Projekt zur Lithiumgewinnung könnte mittelfristig deutsche und europäische Automobilund Batteriehersteller versorgen und bietet großes Innovationspotenzial. Unabhängige Expert:innen haben festgestellt, dass von einem nachgewiesenen Vorkommen in Höhe von 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (LCE) auszugehen ist. Damit verfügt unsere Lagerstätte im Norden von Sachsen-Anhalt über eine der weltweit größten projektbezogenen Lithiumressourcen. Besonders ist, dass sich die Lagerstätte mit sehr geringen Umweltauswirkungen erschließen lässt. Da das Lithium gelöst vorhanden ist, sind weder Bergbau noch große Verdunstungsteiche wie in anderen Regionen erforderlich. Sollte eine Lagerstätte dieser Größenordnung erschlossen werden, würde dies der deutschen Wirtschaft durch lokal gewonnenes Lithium enorme Vorteile bringen und zudem ein wichtiges Geschäftsfeld für Neptune darstellen.

Neptune Energy plant, Lithium auf umweltschonende Weise mittels direkter Lithiumgewinnung (DLE) zu fördern. Das Unternehmen hält jedoch vorerst auch an der Öl- und Erdgasförderung fest und bekennt sich gleichzeitig zu den Pariser Klimazielen. Wie lässt sich das miteinander vereinbaren?

Natürlich ist es als reiner Öl- und Gasproduzent unmöglich, hinsichtlich der sogenannten Scope-3-Emissionen – also der indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette entstehen – klimaneutral zu werden. Es gibt jedoch zwei Dinge, die wir tun können:

Wir werden unseren CO₂-Fußabdruck so weit wie möglich reduzieren, beispielsweise durch die Elektrifizierung von Anlagen. Die heimische Produktion hat in der Regel einen deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck als alle LNG-Importe. Aus diesem Grund ist eine lokale Produktion in Verbrauchernähe sinnvoll, solange in Deutschland noch Öl und Gas benötigt werden.

Zweitens werden wir unsere Transformation vorantreiben. Auf der Grundlage unseres Fachwissens, unserer bestehenden Infrastruktur und unserer Untergrunddaten bieten Geschäftsfelder wie Geothermie oder Carbon Capture and Storage (CCS) interessante Optionen für die Zukunft. Natürlich ist die gesellschaftliche und politische Akzeptanz auf dem Gebiet Onshore-CCS von entscheidender Bedeutung. Dies würde es uns jedoch ermöglichen, unser Know-how zu nutzen, um Emissionen sogar zu reduzieren.

Der Weg von Neptune für die Zukunft bleibt daher spannend. Und ich bin mir sicher, dass das Neptune-Team gut vorbereitet ist.