Mehr Lebensraum für Amphibien im Gildehauser Venn

Dez 16, 2020

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Kammmolche, Laubfrösche, Moorfrösche und Knoblauchkröten – der Landkreis Grafschaft Bentheim, die Naturschutzstiftung des Landkreises und das Unternehmen Neptune Energy engagieren sich gemeinsam für den Erhalt von bedrohten Amphibienarten.

Eigentlich hat ein Bagger im Naturschutzgebiet Gildehauser Venn nichts zu suchen. Doch in den letzten Tagen grub sich eine Baggerschaufel der Firma Zwafink immer wieder in mehrere Gewässer im Norden des Grünlandgürtels. Und das aus gutem Grund: „Wir reaktivieren vier bestehende Blänken, um vor allem Amphibien, aber auch Vögeln und Pflanzen, bessere Lebensbedingungen zu bieten“, erklärt Erster Kreisrat Dr. Michael Kiehl. Bei den Maßnahmen handelt es sich überwiegend um Entschlammungen, teils Vergrößerungen der Gewässer, damit sich wieder nährstoffarme Verhältnisse einstellen. Die Gewässer sollen möglichst lange über den Entwicklungszeitraum der Amphibien hinweg Wasser führen.
Die Arbeiten dauern rund drei Wochen und werden diesen Winter beendet sein. „Amphibien zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Organismen. Auch in unserer Region müssen wir diese Tiere schützen“, ergänzt Paul Uphaus, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde und Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim. Vor Ort werden die Maßnahmen von Gundula von Herz (Landkreis) und Lars Diekmann (Naturschutzstiftung) betreut und genauestens überwacht. Bevor der Bagger die Idee in die Tat umsetzen konnte, wurde eine sorgfältige Auswahl geeigneter Gewässer getroffen. Grundlage dafür war ein Gutachten vom NABU Münsterland. In dem Gutachten sind 42 Kleingewässer im Bereich der Obergrafschaft erfasst und bewertet. Für jedes Gewässer wurde ein Maßnahmenblatt erstellt. Vier davon wurden ausgewählt und jeweils eine Projektbeschreibung der erforderlichen Maßnahmen vom Landkreis erarbeitet.
Nun sind alle gespannt, wie sich die Gewässer in den nächsten Jahren entwickeln und welche Amphibien sich dort ansiedeln werden. Doch nicht nur Amphibien profitieren von diesen Maßnahmen. Auch Wiesenbrüter, insbesondere bestandsbedrohte Watvögel wie Brachvogel, Kiebitz oder Bekassine sind auf das Feuchtgrünland mit flachen Gewässern als Brut- und Nahrungsbiotop angewiesen. Auch dazu werden die Gewässer einen wichtigen Beitrag leisten.
Alle vier Blänken befinden sich übrigens im Eigentum des Landkreises oder der Naturschutzstiftung. Beide Institutionen sind für die Planung und Bauüberwachung der Maßnahmen zuständig. Die Kosten liegen bei 15.000 Euro. Neptune Energy beteiligt sich mit 5.000 Euro an der Finanzierung des Projektes.

Zurück zur Natur: Neptune Energy errichtet Naturschutzfläche auf ehemaligem Betriebsplatz

Den Anstoß für das Gemeinschaftsprojekt bildete der Rückbau des ehemaligen Neptune Energy-Erdgasförderplatzes Gildehaus Z2 an der südöstlichen Grenze des Naturschutzgebietes. Im Normalfall versetzen Rückbau-Experten des Unternehmens alle Flächen nach Abschluss der Förderung wieder in ihren Ursprungszustand. In diesem Fall wäre das eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche gewesen. Stattdessen haben Neptune Energy-Mitarbeiter mit dem Landkreis zusammengearbeitet, um eine nachhaltige Naturschutzfläche zu hinterlassen. In den nächsten Jahren wird sich auf dem ehemaligen Betriebsplatz eine Gehölzstruktur in Richtung Auwald entwickeln. „Auf Basis dieses gemeinsamen regionalen Erfolgsprojektes, wollten wir uns mit einer Spende noch weiter für die ökologische Aufwertung des Gebietes einsetzen“, erklärt Dr. Stefan Brieske, Leiter Unternehmenskommunikation bei Neptune Energy, die Motivation des Unternehmens. Aus diesem Anliegen heraus entwickelten der Landkreis und die Naturschutzstiftung ein Konzept zur Reaktivierung der vier Gewässer in direkter Umgebung, um mehr Lebensraum für bedrohte Amphibien zu schaffen. 

Hintergrund: Das Naturschutzgebiet Gildehauser Venn

Das Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet Gildehauser Venn ist Bestandteil von Natura 2000, einem EU-weiten Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es liegt im Süden des Landkreises Grafschaft Bentheim in der Stadt Bad Bentheim. Es ist ein vielfältiges Moor- und Heidegebiet mit Moorheiden, nährstoffarmen Weihern, Sandheiden, Übergangsmooren, degenerierten Hochmooren und Birken-Moorwäldern. Am Rand befinden sich Kiefernforste, sowie Grünlandkomplexe und vereinzelt Ackerflächen. Es handelt sich um den am besten ausgeprägten Komplex aus Moorheiden und nährstoffarmen Heideweihern in Niedersachsen mit Vorkommen zahlreicher gefährdeter Arten.